~ Die Heraldik der Immerlande ~

 

Wappen und Symbole - oder Banner - kennen die meisten Völker der Immerlande schon seit den Tagen des Ersten Zeitalters. Von jeher haben sich unter Elben, Zentauren, Riesen und Zwergen, ja selbst unter Faunen, bestimmte Clans, Sippen, Häuser, Orden und Verbände, und natürlich erst Recht ganze Länder, mit symbolträchtigen Zeichen, bestimmten Farben und anderen bedeutsamen Bildnissen geschmückt, welche nicht nur der Erkennung dienten, sondern auch die eigene Einigkeit und Zusammengehörigkeit darstellen oder Besitz markieren sollten. Banner, die Königreiche sich erwählten und unter denen sich ihre Heere im Kriege scharten, gibt es schon seit die ersten Reiche der immerländischen Völker entstanden. Die genaue Geburtsstunde der Heraldik verliert sich jedoch in den Nebeln der Zeit. Unter den Menschen entstand das Wappenwesen mit der Entstehung der Neun Reiche, war jedoch lange Zeit denkbar einfach und simpel – wir gehören zu diesem Land, also scharen wir uns im Kriegsfall unter diesem Banner. Wir sind vom Stamm dieses Häuptlings, also folgen wir seinem Zeichen. Wir sind Angehörige dieses Bundes oder jener Organisation, also geben wir uns ein gemeinsames Symbol, so dass wir einander erkennen und auch andere sehen mögen, wer wir sind.


(c) by Immerlan.deZur Zeit des Imperiums von Tamarlon stand das Recht, ein Wappen zu tragen, allein dem höheren Adel zu, der es dafür jedoch nach Lust und Laune wählte. Die wirkliche Heraldik, ihre Regeln und Gesetzmäßigkeiten, entwickelten sich erst sehr viel später mit dem Aufstieg Cobrins, dem Entstehen des Rittertums und vor allem der Entwicklung des geschlossenen Helmes. Die volle Rüstung mit einem Helm, der auch noch das Gesicht bedeckte, machte es im Feldkampf, aber auch im Turnier unmöglich, seinen Träger zu identifizieren. Dieser Umstand war eine wesentliche Ursache für die Entstehung des Wappenwesens. Zwar gab es schon früher Schildbemalungen und auch Helmschmuck, bestimmte Farben und eben Banner, doch feste Wappenbilder setzten sich erst mit dem Aufkommen der Ritter durch. Um nicht von den eigenen Leuten erschlagen und auch im größten Kampfgetümmel gut erkannt zu werden, verzierten diese  ihre Gewänder, ihren Schild, ihren Waffenrock, die Pferdedecke oder auch ihren Helm - und manchmal sogar die Lanzenfahne - mit einem deutlichen Erkennungszeichen, ihrem Wappen.


Damit musste ein solches Wappen von nun an bestimmte Kriterien er füllen:  Zur Zeit des Imperiums von Ûr entwickelten sich daher allmählich Regeln, die teils noch heutige gültig sind: erstens musste ein Wappen klare Kontraste zwischen hellen und dunklen Farben aufweisen. Zweitens mussten alle Bilder darauf einfach gehalten und stilisiert werden, und drittens durften bereits von anderen Wappenträgern geführte Zeichen nicht in der gleichen Form zur Anwendung kommen. Wappenschmuck beschränkte sich bald nicht mehr nur auf Adel, Ritter und Pferd, sondern zierte auch Gebäudeteile der Burgen oder herrschaftlicher Häuser. Durch Verbindungen mächtiger Familien wurden Wappen geteilt, in folgenden Generationen vielleicht sogar geviertelt, anerkannte Bastarde mussten gesondert kenntlich gemacht werden, wurde ihnen das Tragen des Wappens nicht gänzlich verwehrt, adlige Angehöriger bestimmter Orden und Bünde oder Adlige im Dienste ihres Königs oder sonstiger Landesherren führten gar zwei Wappen, das ihrer Sippe und das ihres Ordens oder ihres Landes... und bald gab es eine solche Wappenflut, dass nur noch besonders geschulte Heraldikmeister dieses schwierige System durchschauten. Der Stand der Wappenherolde kam auf und mit ihnen die ersten Wappenrollen. In einigen Ländern, etwa in den Herz- und Drachenlanden, gibt es heute, im Fünften Zeitalter,  zudem einen Wappenlord, den Obersten aller Heraldikmeister und Bewahrer der Wappenrollen oder Wappenbücher des jeweiligen Landes, in welchem aller anerkannten Wappen aller adligen Sippen, Ritter oder Orden und aller, welche berechtigt sind, ein Wappen zu führen, verzeichnet sind.


Die Gesetze der Heraldik - und die Lesart der Wappen, die Blasonierung -, unterscheidet sich in wichtigen Details von Land zu Land, daher sind die einzelnen heraldischen Regeln bei den Wappenrollen und Wappenbüchern aufgeführt. Der Aufbau eines Wappens ist jedoch im Wesentlichen immer gleich, es besteht aus dem Schild, den Ergänzungen und der Schildeinteilung.



(c) by Immerlan.deDer Schild

Ein simpler, einfarbiger Wappenschild kann schon ein vollständiges Wappen darstellen und ist zugleich praktisch die Urform aller Wappensymbole, Wappenzeichen, der Heraldik schlechthin. Er ist jedoch ungeeignet, Stand, Rang und mögliche Beziehungen seines Trägers oder des Wappeninhabers aufzuzeigen. Diese sehr einfachen Wappen finden sich in den Immerlanden nur im Frithland, als Stammeszeichen bei einigen Völkern der Ersten Menschen, etwa bei den Thundrassar und auch bei Sand- und Nordnargen sowie den Inuks. Paradoxerweise sind sämtliche Elbenwappen ebenfalls sehr einfache, simple Wappenschilde, doch hat die Heraldik bei den Schönen weit weniger Gewichtung, als bei den Sterblichen. In die Wappenrollen und Wappenbücher der Menschen, Zwerge und Zentauren werden nur Vollwappen eingetragen, die mindestens aus einem Schild mit umgebenden Standeszeichen bestehen. Bei Rittern und Adligen findet sich regelmäßig auf dem Schild ein Helm, bei Städtewappen hingegen – es sei denn, es handelt sich um einen einem Fürstentum ebenbürtigen Stadtstaat – regelmäßig eine Wappen- oder Mauerkrone. Nur und ausschließlich die Helme von Herrscherwappen sind auch gekrönt, ein Ritterwappenhelm trägt eine ungekrönte Helmzier. Vollwappen können zudem auch mehrere Wappenschilde, mehrere Helme, zusätzlich Wappenträger und Spruchbänder umfassen. Zur besseren und absolut zweifelsfreien Unterscheidung ist man stets bemüht, in die Wappenverzeichnisse möglichst umfassende Vollwappen einzutragen.

 

Die Ergänzungen
Auf dem Schild liegt also der Helm, oftmals mit aufsitzender Helmzier und umgebenden Helmdecken, die in den Farben des Wappenträges gehalten sind, dies sind die häufigsten Ergänzungen zum Vollwappen. Ein Wappen des Hochadels besitzt oft noch zusätzliche Schildhalter, einen Wappenmantel oder ein Wappenzelt. Herrscherwappen sind zudem immer gekrönt. Auch die Stellung der aufliegenden Helme ist von großer Bedeutung. Nur und ausschließlich der Souverän eines Landes führt ein Wappen mit einem Helm, der ein geöffnetes Visier zeigen darf (aber nicht muss) und frontal senkrecht steht. Hohe Adlige wie Fürsten, Herzöge, Lairds oder ähnliche führen zwar ebenfalls aufwändige Wappen, doch ihre Helme stehen meist im Dreiviertelprofil und haben geschlossene Visiere oder im Vollprofil mit hochgeklapptem Visier, um ihren niedrigeren Rang auszudrücken. Es gibt Ausnahmen, etwa bei den Herzogswappen Immerfrosts und den Lairdwappen Normands, bei welchen dies anders gestaltet ist. Der Wappenhelm eines einfachen Ritters hingegen blickt stets zur Seite und trägt das Visier geschlossen.  

 

Die Schildteilungen
Grundsätzlich kann der Wappenschild durch senkrechte und waagerechte Linien in Felder aufgeteilt werden. Bei der Einteilung durch waagerechte Linien wird das obere Drittel als Schildhaupt, das mittlere Drittel als "Mittel" und das untere als "Schildfuß" bezeichnet. Bei der Einteilung durch senkrechte Linien wird die (vom Betrachter aus) linke Seite als rechte Flanke, die Mitte als Herzstelle und die (vom Betrachter aus) rechte Seite als linke Flanke definiert, denn ein Wappen wird stets aus der Sicht seines Trägers blasoniert.

 

~ Wappen der Reiche ~
 
Die Wappen der Elbenreiche

~ Wappen, Symbole und Zeichen klerikaler Orden, Zirkel und Bünde ~