~ Materialien für Handwerk und Kunstgewerke ~


Horn und GeweihSchildpatt


Schildpatt, auch Schildkrot oder Bissa genannt, wird aus den flachen Hornschuppen der Rückenschilder einiger Meeresschildkrötenarten gewonnen. Aus alten Schriften lässt sich entnehmen, dass schon die Jararankhaz, jene längst ausgestorbene Gründerrasse der Sommerinseln, Schildpatt zur Herstellung von allerlei Schmuck-, Kult- und Gebrauchsgegenständen verwendeten. Heute, im Fünften Zeitalter Rohas, kennen jedoch nur noch die Chanka der Sommerinseln und des Nachtwaldes das Geheimnis seiner Herstellung. Schildpatt wird ausschließlich aus den Rückenschildern von Wasserschildkröten gewonnen, die als 'Nebenprodukte' bei der Schlachtung und Zubereitung der Tiere anfallen – Land- und Sumpfschildkröten liefern aus unbekannten Gründen kein brauchbares Schildpatt.

Da in Frage kommende Wasserschildkröten hauptsächlich in den warmen Gewässern des Südmeeres und der tropischen Meere rund um die Sommerinseln vorkommen und eigentlich nur von den Chanka als Nahrungsquelle genutzt werden - die entkräfteten, weiblichen Tiere, die nach der Eiablage den Weg zurück ins Meer nicht mehr bewältigen können, werden für gewöhnlich einfach an den Stränden eingesammelt – sind es auch nur sie, die das kostbare Schildpatt herstellen. Vor allem Achatschildkröten, Jadeschildkröten und Aikantis liefern das begehrte Material, so dass es Schildpatt in Grundtönen von rötlichem Braun und Schwarzbraun, grün mit wundervollen Maserungen und einem petrolartigen Blaugrau gibt. Um es von den Panzern selbst zu lösen wird Wärme benötigt, wozu man die leeren Rückenpanzer entweder in kochendes Wasser gibt oder über ein Feuer hängt. Mithilfe der Hitze erweicht das Schildpatt und kann so behutsam mit scharfen Klingen abgenommen werden. Auch zur weiteren Verarbeitung ist stets Wärme nötig, wodurch sich das Material formen und bearbeiten lässt. Poliert erhält es dann seinen seidigen, warmen Glanz.

Schildpatt ist äußerst selten – nicht nur, dass es nur von den Chanka hergestellt wird, es gelangt auch nur in geringen Mengen in den Handel. Vom Rückenpanzer einer einzigen Achatschildkröte, die ausgewachsen gut und gern 75 Stein auf die Waage bringt, erhält man gerade einmal eine brauchbare Ausbeute von etwa zweieinhalb Stein. Verwendet wird Schildpatt zur Herstellung allerlei kostbarer Gegenstände wie Schmuck und anderer kleiner Utensilien wie Haarspangen, Messergriffe, Schatullen und Döschen, Kämme, Schalen, Teller und Platten oder Kultgegenstände der Priester und Schamanen. Es kann auch als Einlegearbeiten und Intarsien für Möbel dienen. In die übrigen Immerlande gelangt echtes Schildpatt für gewöhnlich nur als teures und extrem seltenes Luxusgut und wird gelegentlich von den Südmeerfahrern der Silbermeerhanse oder der Großen Ostmeerhandelsgesellschaft eingeführt – oder gelangt auf obskureren Wegen durch Piraten und Schmuggler in die Bucht der Schatten. In den dortigen Häfen wird es dann pfundweise weiter an Händler oder Kunsthandwerker verkauft. Im Jahr 510 FZ kostete ein Pfund Schildpatt in Cardossa nicht weniger als 9 Goldmünzen.


 

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