~ Die Sternenkunde der Immerlande ~

 

Erhebe die Augen und du wirst die Sterne sehen
- Sprichwort der Zentauren Assuarans -



Die Sternenkunde – gelegentlich auch Astronomie genannt – mag alt sein, doch sie ist ganz sicher nicht die älteste Wissenschaft. Der  Menschenvölker schon gar nicht, denn die Zentauren und Riesen, die Kobolde, Feen und Jararankhaz haben in den nächtlichen Himmel geblickt und die Sterne beobachtet, lange bevor die Sterblichen auch nur ein halbgesummter Ton im großen Weltenlied Rohas waren.  Sie erkannten schon früh, dass Tages- und Jahresrhythmus durch den Verlauf der  Sonne, der Monde und der Sterne bestimmt werden. Im Lauf der Nacht wandern die Sterne von Ost nach West, ganz wie die Sonne am Tag über das Firmament zieht.  Manche auffallenden Sternbilder strahlen für eine gewisse Zeit viel heller als andere, manche sind den vollen Zwölfmond lang gut zu erkennen, andere wieder verblassen oder verschwinden gar eine Weile vollkommen, ehe sie sich wieder zeigen.


Der Lebensrhythmus nahezu aller oberirdisch lebenden immerländischen Völker richtet sich heute, im Fünften Zeitalter der Welt ebenso wie vor vielen tausend Jahren noch immer nach dem Auf- und Untergang der Sonne.  Nicht nur die sesshaft gewordenen, zivilisierten Kulturen, auch die wilden Narge und die grausamen Riesen, die scheuen Faune und die ursprünglich lebenden Nachfahren der Ersten Menschen, die noch heute Jäger und Sammler sind, alle Kulturen leben davon, die Rhythmen von Sonne und Mond ihren eigenen Lebenstänzen zuzuordnen:  die Wanderung der großen Tierherden, das Kommen des Eises oder der Regenzeit, Aussaat und Ernte, Ebbe und Flut und vieles mehr. Für die Navigation auf See sind die Sterne gar vollkommen unentbehrlich.  


Sterne am Nachthimmel
Sterne am Nachthimmel


Nahezu alle Völker der Immerlande beschäftigen sich in irgendeiner Form mit dem Allgemeinwissen der Sternenkunde und den beiden größten und praktischsten Nutzen, die sie bietet, nämlich Orientierung und Zeitmessung.  Der Blick in den nächtlichen Himmel ist für die meisten Immerländer vollkommen selbstverständlich und für gewöhnlich finden sie sich unter den vertrauten Sternen auch wunderbar zurecht.

Die Sternenkunde ist eng mit dem Zwölfgötterglauben verknüpft. Narnara, eine Archonin der Faêyris, gilt als die Hüterin der Sterne und die Zwölf Mächte selbst bewohnen die Weiten des Firmaments. Dennoch ist die Astronomie an sich nichts religiöses, obwohl gerade die Zentauren sie mit schon fast rituellem Eifer betreiben. Den Sternenkundlern und Priestern der Immerlande geht es vornehmlich darum, kosmische Ereignisse genau berechnen und die Zeichen der Sterne, die Omen der Götter, richtig deuten zu können - etwa das Auftreten der nächsten Sonnenfinsternis, das Erscheinen eines feurigen Schweifsterns, besondere und seltene Konstellationen der Sterne, die möglicherweise von bedeutsamen Ereignissen der Zukunft künden oder das Ende eines Zeitalters prophezeien. Auch werden die Sterne und ihre Wanderungen zu den verschiedensten Jahreszeiten immer wieder und immer genauer kartographiert, um Reisenden - vor allem Seefahrern - die sichersten Routen anzuzeigen. Auch die Alchemisten sind an den Berechnungen der Sternkonstellationen interessiert, da diese maßgeblichen Einfluss auf ihr Schaffen haben können, ebenso wie Heilkundige wissen müssen, wann diese oder jene Konvergenz stattfinden wird, da einige Heilpflanzen ihre Wirkung nur entfalten, wenn sie unter bestimmten Vorzeichen gesammelt wurden. Nicht nur in diesen, in vielen Bereichen des ganz alltäglichen, aber auch des rituellen, spirituellen Lebens spielen die Sterne also eine große Rolle für die immerländischen Völker und werden mit Hingabe beobachtet, erforscht, gezeichnet, berechnet, geliebt, besungen und mitunter gar verehrt.