~ Material und Herstellung ~

 

So vielfältig wie die Völker der Immerlande sind, so viele Schriften und Schriftunterlagen gab es im Laufe der Geschichte wohl auch. Ganz zu Beginn wurden die allerersten Schriftzeichen vermutlich vor allem in die Erde geschrieben, auf die Felsen gemalt, in Stein gehauen oder auf Holz geritzt. Doch keine dieser Möglichkeiten erlaubte es, die Schriftstücke mit sich zu nehmen, dies wurde erst durch die Nutzung von Papyrus und Pergament möglich. Schriftstücke aus diesen Materialien ließen sich immerhin aufrollen und in Köchern transportieren, wodurch die sogenannten "Schriftrollen" oder auch "Buchrollen" entstanden. Größere Mengen von Schriftrollen waren nach wie vor schlecht mitzunehmen, so entstanden mit der Zeit die ersten sogenannten "Kodexe" oder  "Bücher", auch wenn sie zunächst nur aus wenigen Bögen bestanden, die in der Mitte geknickt und mit einfachen Fäden geheftet waren. Im Laufe der Zeit wurden die Methoden zur Buchherstellung immer mehr verfeinert um den wachsenden Ansprüchen gerecht zu werden. So entstanden dicke Wälzer mit einer sorgfältigen Bindung, sowie festen Buchdeckeln und –rücken und auch an der Verzierung wurde häufig nicht gespart. Noch heutzutage wird manch ein wertvolles Buch sorgfältig illuminiert und verziert, manchmal sogar mit Edelsteinen oder Federn geschmückt. Seit wenigen Jahrzehnten gibt es nun auch Bücher aus einem neuen Material, dem Papier, das sich noch besser beschreiben lässt und dünner ist, als die Vorläufer.

 

Stein, Hammer und Meißel


Besonders die Zwerge vertrauen nach wie vor auf die althergebrachte Form des Niederschreibens. Dazu können aus dem Stein gleichmäßige Tafeln geschlagen und beidseitig beschriftet werden oder die Schrift wird direkt auf den Felsen angebracht. Gerüchten zufolge gibt es in den Tiefen der Berge der Immerlande riesige Felswände, die mit den Dakhrunzeichen der Zwerge übersät sind und ihre alten Geschichten erzählen. Der Vorteil am Schreiben mit Hammer und Meißel ist, dass die Schriftstücke lange Zeiträume überstehen können, besonders wenn sie vor den Gezeiten geschützt werden. Doch dafür ist die Herstellung sehr Zeit und Kraft raubend und ein Transport nur sehr begrenzt möglich.

 

Tafeln


Als Schreibmaterial ebenfalls geeignet sind Tafeln aus Holz, Knochen, Muscheln oder Elfenbein, es gibt sogar einige aus Metallen wie Bronze oder Eisen. Eine Besonderheit stellen Wachstafeln dar, da sie wiederbeschrieben werden können, wenn das Wachs mit einem Schaber geglättet wird. Mit einem harten Stift wird die Schrift in das Wachs gekratzt, der in der Regel aus Eisen, Knochen oder Elfenbein besteht. Wachstafeln werden vor allem in den Tempelschulen und in anderen Stätten der Gelehrsamkeit zum Erlernen des Schreibens oder für Notizen genutzt. Es gibt sogar ganze Wachstafelbücher, die von Händlern, Buchhaltern, Schreibern und allen verwendet werden, die rasch etwas schriftlich festhalten wollen, ohne teure Pergamente, Papyri oder Papiere  verbrauchen zu wollen. Zudem gibt es Schiefertafeln, die mit Kreide beschrieben werden können. Streng genommen ist Kreide nur die weichere Variante von Kalk. Sie leuchtet schneeweiß und wird zum Schreiben auf Schiefertafeln verwendet.

 

Papyrus


Eine der ältesten Schreibunterlagen ist Papyrus, das aus den gleichnamigen Pflanzen hergestellt wird. Die ausschließlich im Süden der Immerlande heimischen Papyruspflanzen wachsen zu Stauden heran, die eine Höhe von bis zu drei Schritt erreichen können. Zur Herstellung der flachen Papyrusbögen wird das Mark der Stängel in bis zu 5 Sekhel breite Steife geschnitten, die überlappend aneinander gelegt werden. Es sind zwei Schichten nötig, die sich kreuzweise überlagern und so lang gepresst und geklopft werden müssen, bis der klebrige Pflanzensaft sie zusammenhält. So entsteht eine feste Platte, die im Anschluss nur noch getrocknet werden muss und schon beschrieben werden kann. Vor allem im Süden wird Papyrus zur Herstellung von Buchrollen genutzt, besonders gut soll der Papyrus aus den Elbenlanden sein. Papyrus ist erstaunlich haltbar, besonders in trockenen Regionen kann es sich über Jahrhunderte erhalten. Allerdings ist es empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und Wurmfraß und sollte daher in kühleren, feuchteren Gegenden gut geschützt werden.

Papyrus

 

Pergament


Im Gegensatz zu Papyrus wird Pergament aus Tierhäuten gefertigt, ähnlich wie Leder. Allerdings werden die Tierhäute zur Pergamentherstellung ungegerbt in eine Kalklösung gelegt und erst im Anschluss daran werden die Haare, die Oberhaut und sonstige Reste abgeschabt. Daraufhin wird die Tierhaut gereinigt, gespannt und getrocknet. Mithilfe von Bimsstein und Kreide wird die noch ungleichmäßige Oberfläche dann geglättet und geweißt. Dadurch wird die Fleischseite sehr glatt, auf der Haarseite bleiben hingegen Poren bestehen. Je nachdem, wie gründlich dieser Arbeitsschritt vollzogen wird, kommen Qualitätsunterschiede zustande. Das beste Pergament wird aus Ziegen- und Schafshäuten gefertigt, am besten geeignet sind hierfür die Häute der Jungtiere. Pergament aus Ziegenhaut ist weiß und hat regelmäßige Punkte, wohingegen das Pergament vom Schaf honigfarben ist und keine sichtbaren Haaransätze besitzt. Es ist auch eine Herstellung aus Rind- und Kalbshaut möglich, allerdings ist die Qualität schlechter und die Haaransätze sind deutlicher zu sehen. Pergament ist in den gesamten Immerlanden bekannt, wird aber vor allem im Norden genutzt, dort, wo keine Papyruspflanzen wachsen. Die Pergamentherstellung ist mit einem großen Aufwand und hohen Kosten verbunden, doch der Vorteil gegenüber Papyrus ist eine glattere Oberfläche, die hellere Farbe, die Möglichkeit der Wiederverwendung und die Festigkeit. Allerdings ist Pergament feuchtigkeitsempfindlich und verträgt keine zu hohen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit.

Pergament

 

Papier


Das noch nicht allzu lang bekannte Papier wird ebenso wie Papyrus aus Pflanzenfasern gefertigt und wird vor allem in den Rhaínlanden im großen Stil hergestellt. Doch nicht nur dort, auch die Arduner stellen größere Mengen Papier aus Mammutwollgras her. Es kann aus vielen verschiedenen Ausgangsstoffen gefertigt werden, zum einen direkt aus Rohstoffen, zum anderen aus Lumpen, auch Hadern genannt. Pflanzen, die direkt verarbeitet werden können, sind Hanf, Lein oder Baumwolle, aber auch Holz, Rinde, Bast und Stroh können dafür genutzt werden. Hadernpapier kann hingegen auch aus zerschlissener Kleidung, Spinnerei- und Seilereiabfällen gefertigt werden. Gleichgültig welche Papierform gefertigt wird, müssen die Materialien zunächst mithilfe eines Sensenblatts und eines Reißstuhls zerfetzt werden und anschließend zum Faulen angesetzt werden, durch Kalkmilch kann die Brühe dann noch gebleicht werden. Unter Einsatz des Stampfwerks einer Papiermühle, entsteht aus der Masse unter Zugabe von Kalk das sogenannte "Halbzeug". Es kann zwar auch von Hand gestampft werden, doch ist dies sehr mühsam und langwierig. Nach mehreren Tagen wird das Halbzeug erneut "gemahlen" und im Anschluss daran in die sogenannte Bütte gefüllt und mit Wasser und Leim aus Weizenmehl vermischt. Die nun zähere Masse wird mit einem Sieb, das in einem Holzrahmen eingespannt ist, aus der Bütte geholt und durch Rütteln gleichmäßig verteilt, woraufhin das überschüssige Wasser abläuft. Daraufhin wird das Sieb über einen Filz gestülpt und in einer Gautschpresse so gepresst, dass das restliche Wasser herausgedrückt wird und sich der Papierbogen vom Filz löst. Anschließend muss das Papier noch trocknen, was je nach Ausgangsstoff unterschiedlich lange dauert, geglättet und die Ränder müssen begradigt werden. Sehr hochwertiges Papier wird aus Lein gefertigt und nach dem Trocknen noch in eine Leimbrühe aus Lederabfällen und Knochen getaucht, dann erneut gepresst und getrocknet. Dadurch wird die Saugfähigkeit verringert, die bei schlechterem Papier dazu führen kann, dass die Tinte zumindest teilweise aufgesogen wird. Ein sehr wertvolles Papier ist das sogenannte Büttenpapier, in das aufwändig Wasserzeichen oder Blüten eingearbeitet werden können. Der Vorteil an Papier ist, dass es dünn ist, sich gut beschreiben lässt und relativ witterungsfest ist, solange es nicht in direkten Kontakt mit Wasser kommt.

Papier

 

Pháo'hoa-Papyrus und Pháo'hoa-Papier


Der berühmte Pháo'hoa-Papyrus wird aus dem hellen Mark der Pflanzenstängel gewonnen, während Pháo'hoa-Papier gewonnen wird, indem die Strahlenplätter zu feinem Faserbrei verarbeitet werden, aus dem per Hand mit Bambussieben zartes, durchscheinendes, aber sehr beständiges Papier geschöpft wird. Auf Grund ihrer aufwendigen Herstellungsverfahren sind sowohl Pháo'hoa-Papyrus als auch Pháo'hoa-Papier äußerst kostspielig, zumal sie nur auf den Sommerinseln hergestellt werden können und wegen ihrer besonderen Eigenschaften sehr begehrt sind: Pháo'hoa-Papyrus ist beispielsweise ausgesprochen reißfest und fängt nur äußerst schwer Feuer. Seine Oberfläche weist zudem einen sehr schönen, matten Perlglanz auf. Pháo'hoa-Papier verfügt über dieselben Eigenschaften, ist allerdings deutlich leichter, halbtransparent und zart irisierend, weshalb es gerne als Kunstpapier und für die Herstellung festlicher Laternen, schwimmender Wasserlampions und hoch in die Lüfte aufsteigender Himmelslichter verwendet wird.

Pháo'hoa

 

Tinte und Feder


Tinte kann aus einer Vielzahl von Rohstoffen hergestellt werden, schon lange gibt es die sogenannte "Akaztinte", die aus einer Mischung von Ruß und Akaziensaft hergestellt wird. Es gibt auch Tinte aus den Blasen bestimmter Tintenfische, wozu die Blasen getrocknet und im Mörser zerstampft werden. Bekannt sind auch die "Dornentinte" aus Weißdornrinde, die Rußtinte und die nahezu unbezahlbaren Gold- und Silbertinten. Eine ganz einzigartige Tinte wird aus Mondkristallpulver hergestellt, die während des Schreibens sehr hell ist, während des Trocknens jedoch unsichtbar wird. Im Anschluss daran ist diese Tinte nur noch bei Vollmond und unter Verwendung einer sehr kostspieligen Mondkristalllinse lesbar. Die am häufigsten verwendete Tinte ist jedoch die Eisengallustinte, zu deren Herstellung Galläpfel zerstampft und gekocht werden, wodurch die Gallussäure entsteht. Diese wird wiederum mit Grünsalz gekocht und es wird entweder Akaziensaft oder Kirschessenz hinzugefügt. Damit die Eisengallustinte gut zu sehen ist, muss sie noch mit einem Farbstoff versetzt werden. In der Regel ist dieser blau oder schwarz, er kann bei wertvollen Tinten jedoch auch mit beispielsweise Edelsteinpulver anders eingefärbt sein. Das bekannteste Schreibmittel der Gegenwart ist die Schreibfeder, sie besteht vor allem aus den Federn von Gänsen, die kostbarsten und legendärsten sind allerdings die Federn der geheimnisvollen Echsenvögeln der Sommerinseln. Schreibfedern können mit Schnitzereien verziert sein oder mit Gold- oder Silberdraht, sowie Beschlägen eingefasst sein. Besonders gut geeignet sind die Schwungfedern der Feenschwäne, die vor allem
in den Städten der Ostlande weit verbreitet sind.

 

Tusche und Schreibpinsel


Auch sehr beliebt ist die Tusche, die aus Lampenöl und Nadelholzkohle, sowie Knochenleim hergestellt wird. Sie muss vor dem Gebrauch so lange mit Wasser vermengt werden, bis sie die richtige Deckkraft besitzt. Zum Anreiben der Tusche wird mancherorts ein Reibstein verwendet, der in der Regel aus Eisenholz oder Speckstein besteht. So einige Skriptoren besitzen sogar aufwändig verzierte Reibsteine aus Jade mit sehr feiner Oberfläche um Tinte und Pinsel zu schonen. Die Tusche wird stets mit Schreibpinseln aufgetragen, die ganz anders als Malerpinseln gefertigt sind. Sie bestehen im Kern aus feinen Marder- oder Wieselhaaren, die von Ziegen- und Hasenhaaren umschlossen sind. Der Pinselgriff besteht aus zähem Holz, wie Bambus, Esche, Robinie oder Wacholder.

 

Graphit

Graphit färbt außerordentlich gut ab und ist daher ein begehrtes und auch erschwingliches Schreibmaterial. Hierzu wird Granitpulver mit Ton oder Harz vermischt und zu einer festen Masse gepresst. Diese formt man entweder zu Keilen oder dünnen Stäbchen und steckt sie zwischen eingeschnittene Bambus und Schilfgriffel oder Holzleisten oder formt sie einfach auf Stifte aus Holz, Knochen oder anderen harten, leichten Materialien. Es gibt auch reine Graphitgriffel, die jedoch nicht ganz so gut in der Hand liegen. Für alle alltäglichen Schreibarbeiten und Notizen werden Graphitgriffel nicht nur von Skriptoren oder Baumeistern, Kastellanen und Stadtschreibern, die naturgemäß tagtäglich mit dem geschriebenen Wort oder planvollen Zeichnungen zu tun haben, sondern auch von allen anderen, die des Schreibens mächtig sind und nicht Tintenfass, Federkiel und Löschsand mit sich herumschleppen wollen, gern benutzt. Da Graphit sich jedoch äußerst leicht abreiben lässt, sind mit diesem Material geschriebene Worte längst nicht so haltbar, wie sorgfältig mit Tinte zu Papier, Pergament oder Papyrus gebrachte Schriftzeichen.

Graphit

 

Materialien für den Bucheinband


Zu einem Buch gehören stets ein Buchrücken und ein Buchdeckel, die aus verschiedenen Stoffen gefertigt werden können. Grundsätzlich gibt es vier Möglichkeiten: Entweder handelt es sich um Pergament-, um Leder-, um Holz- oder um Gewebeeinbände. Am häufigsten ist in den Immerlanden mit Abstand der Ledereinband, da er am widerstandsfähigsten und biegsamsten ist, zudem lässt sich das Leder prägen. Alle wertvolleren Bücher besitzen einen Prachteinband aus Leder, der vielfach verziert ist. Zur Heftung wird in der Regel ein gewachster Zwirnfaden verwendet.

 

Materialien zur Verzierung


Die Illuminatoren der Immerlande besitzen einen unglaublichen Einfallsreichtum, was das Verschönern der wertvollen Bücher anbelangt. Es wird mit allem möglichen gearbeitet, so gibt es Bücher mit Elfenbeinverzierungen, Federn, Punzierungen und Prägungen, Metallplatten, vor allem aber viele Bilder, die das Geschriebene verzieren oder darstellen. Als Grundstoff für die Farben dienen Bindemittel, am bekanntesten sind Eiklar, Wasser-Öl-Mischungen, Harze, Akaziensaft, Fischleim und Milch-Kalk-Mischungen, aber es gibt noch viele weitere. Die Farben selbst können aus allem denkbaren hergestellt werden, wie Metallen (u.a. Gold, Silber, Blei) oder Erden (u.a. Ocker, Terrakotta), Pflanzen (u.a. Kornblume, Mohnblume, Petersilie) oder Tieren (u.a. Tintenfische, Purpurschnecken, Schmetterlingen), sowie Edelsteinen (u.a. Malachit).

 

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